Die EEG-Novelle 2024 hat die Rahmenbedingungen für Biogasanlagen grundlegend verändert. Sinkende Vergütungssätze, neue Ausschreibungsregeln und das nahende Ende der 20-jährigen EEG-Laufzeit für tausende Anlagen — dieser Guide erklärt, was Anlagenbetreiber 2026 wissen müssen.

EEG-Vergütungssätze 2026 im Überblick

Die anzulegenden Werte für Biomasseanlagen sinken jährlich (Degression). Für 2026 gelten folgende Richtwerte:

AnlagenleistungAnzulegender Wert (ct/kWh)Zuschlag Gülle (≥80 %)Zuschlag Landschaftspflege
≤150 kW12,5–13,5+2,0 ct/kWh+1,0 ct/kWh
150–500 kW10,5–11,5+2,0 ct/kWh+1,0 ct/kWh
500–1.000 kW9,5–10,5+1,0 ct/kWh
>1.000 kWAusschreibungspflichtig

Hinweis: Die exakten Werte hängen vom Inbetriebnahmedatum und der jährlichen Degression (1,0–1,5 %) ab. Ältere Bestandsanlagen behalten ihren ursprünglichen Vergütungssatz für die gesamte 20-jährige Laufzeit.

Flex-Prämie vs. Festvergütung: Was lohnt sich?

Die Flexibilisierung ist seit dem EEG 2023 der Standard-Pfad für Biogasanlagen. Doch nicht für jeden Betreiber ist sie die beste Wahl.

KriteriumFestvergütungFlex-Prämie (bedarfsgerechte Einspeisung)
VergütungsmodellFester ct/kWh-Satz, 24/7Marktprämie + Flex-Zuschlag
ErlöspotenzialVorhersehbar, aber begrenzt20–40 % höhere Erlöse möglich
InvestitionKeine zusätzlicheBHKW-Überbauung (Faktor 2–3), Gasspeicher
BetriebsaufwandGeringHöher (Fahrplanmanagement, Direktvermarkter)
Flex-Prämie40–65 €/kW installierte Leistung/Jahr
Geeignet fürKleine Anlagen ≤150 kW, GüllekleinanlagenAnlagen ≥250 kW mit ausreichend Gasspeicher

Rechenbeispiel: 500 kW Biogasanlage

  • Festvergütung: 500 kW × 8.000 h × 10,5 ct/kWh = 420.000 €/Jahr
  • Flex-Betrieb: 1.250 kW installiert, 3.200 h Volllast, Marktprämie + Flex-Zuschlag = 490.000–560.000 €/Jahr
  • Mehrerlös Flex: 70.000–140.000 €/Jahr bei Investition von ca. 300.000–500.000 € für Überbauung

Fazit: Die Flexibilisierung amortisiert sich bei Anlagen ab 250 kW meist innerhalb von 3–5 Jahren — insbesondere bei hohen Börsenpreisen in Spitzenlastzeiten.

Güllebonus und kleine Gülleanlagen

Kleine Gülleanlagen (≤150 kW) genießen eine Sonderstellung im EEG. Sie sind von der Ausschreibungspflicht befreit und erhalten erhöhte Vergütungssätze.

Voraussetzungen für den Güllebonus

  • Mindestens 80 % Gülle (Rinder- oder Schweinegülle) als Substrateinsatz (massebezogen)
  • Installierte Leistung ≤150 kW (Bemessungsleistung)
  • Gasaufbereitungsanlage zählt nicht zur Bemessungsleistung
  • Emissionsminderung durch gasdichte Güllelagerung muss nachgewiesen werden

Vergütungshöhe Güllekleinanlage 2026

  • Anzulegender Wert: 13,0–15,5 ct/kWh (je nach Inbetriebnahmejahr)
  • Güllebonus: +2,0 ct/kWh
  • Effektive Vergütung: bis zu 17,5 ct/kWh
  • Keine Ausschreibungsteilnahme erforderlich

Strategie: Für Milchvieh- und Schweinebetriebe mit ausreichend Gülleaufkommen ist die Güllekleinanlage der einfachste Einstieg in die Biogasproduktion — und durch den Güllebonus auch wirtschaftlich attraktiv.

Ausschreibungen für Biomasse: Gebotspreise und Zuschlagsquoten

Anlagen >150 kW (Neuanlagen) bzw. Bestandsanlagen mit Anschlussförderung müssen an den Biomasse-Ausschreibungen der Bundesnetzagentur teilnehmen.

AusschreibungsrundeVolumen (MW)Höchstwert (ct/kWh)Durchschnittlicher ZuschlagZuschlagsquote
September 202425018,24~16,8 ct/kWh~85 %
März 202530018,81~17,2 ct/kWh~80 %
September 202530019,40 (geschätzt)AusstehendAusstehend
März 2026300 (geplant)~19,5–20,0 (Prognose)AusstehendAusstehend

Trend: Die Höchstwerte steigen leicht, die Zuschlagsquoten liegen stabil bei 80–90 %. Die Teilnahme lohnt sich insbesondere für Bestandsanlagen, deren 20-jährige EEG-Laufzeit ausläuft.

Was passiert nach 20 Jahren EEG?

Zwischen 2024 und 2030 fallen tausende Biogasanlagen aus der EEG-Vergütung. Die drei Optionen für Post-EEG-Anlagen:

Option 1: Anschlussförderung über Ausschreibung

  • Teilnahme an den Biomasse-Ausschreibungen der BNetzA
  • Zuschlagsdauer: 10 Jahre
  • Vorteil: Planungssicherheit, erhöhte Vergütungssätze durch Flex-Betrieb
  • Nachteil: Investition in Flexibilisierung oft Voraussetzung

Option 2: Direktvermarktung ohne EEG

  • Strom wird am Spotmarkt (EPEX) verkauft
  • Erlöse abhängig von Börsenstrompreisen (aktuell 6–12 ct/kWh)
  • Vorteil: Keine Ausschreibungsteilnahme nötig
  • Nachteil: Preisrisiko, oft unter Gestehungskosten

Option 3: Umstellung auf Biomethan-Einspeisung

  • Gasaufbereitung und Einspeisung ins Erdgasnetz
  • Vergütung über GasNZV oder bilaterale Verträge
  • Vorteil: Höhere Wertschöpfung als Stromeinspeisung
  • Nachteil: Investition 500.000–1.500.000 € für Aufbereitungsanlage

Anschlussförderung und Repowering

Repowering — die technische Erneuerung einer Bestandsanlage — ist oft wirtschaftlicher als ein Neubau und ermöglicht gleichzeitig die Anschlussförderung.

Was umfasst Repowering?

  • BHKW-Erneuerung: Modernere Motoren mit höherem elektrischen Wirkungsgrad (40–43 % statt 35–38 %)
  • Flexibilisierung: Überbauung auf Faktor 2–3 der Bemessungsleistung
  • Gasspeicher-Erweiterung: Für bedarfsgerechte Einspeisung (mind. 6–8 h Speicherkapazität)
  • Wärmekonzept: Integration Wärmenetz, Trocknung oder Power-to-Heat
  • Substratoptimierung: Gülleanteil erhöhen, Maisanteil reduzieren (gesellschaftliche Akzeptanz)

Investitionskosten Repowering (Richtwerte)

MaßnahmeKosten (500 kW Anlage)Amortisation
BHKW-Erneuerung150.000–250.000 €3–5 Jahre
Flexibilisierung (auf 1.250 kW)300.000–500.000 €3–5 Jahre
Gasspeicher (Doppelmembran)80.000–150.000 €2–4 Jahre
Gasaufbereitung (Biomethan)500.000–1.500.000 €5–8 Jahre

Fazit: Checkliste für Anlagenbetreiber

Die EEG-Landschaft für Biogas wird komplexer — aber die Chancen für gut aufgestellte Anlagen sind erheblich. Folgende Schritte sollten Sie jetzt angehen:

  1. EEG-Restlaufzeit prüfen: Wann läuft Ihre Vergütung aus? Anschlussförderung muss 12–24 Monate vor Ablauf beantragt werden.
  2. Flexibilisierung bewerten: Lohnt sich die Überbauung? Berechnen Sie Mehrerlöse vs. Investitionskosten mit Ihrem Direktvermarkter.
  3. Gülleanteil erhöhen: Der Güllebonus (+2 ct/kWh) kann die Wirtschaftlichkeit kleiner Anlagen erheblich verbessern.
  4. Ausschreibungstermine beachten: BNetzA-Ausschreibungen finden halbjährlich statt (März und September). Gebotsstrategie mit Berater entwickeln.
  5. Biomethan-Option prüfen: Liegt ein Gasanschluss in der Nähe? Die Biomethan-Einspeisung bietet langfristig höhere Wertschöpfung als reine Stromproduktion.
  6. Repowering planen: BHKW-Erneuerung und Flexibilisierung kombinieren für maximale Förderfähigkeit.
  7. Sektorenkopplung evaluieren: PtX-Pfade (Bio-CNG-Kraftstoff, Wärmenetz) eröffnen neue Erlösströme jenseits der Stromeinspeisung.

Quellen

  • Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG 2023/2024), §§39–44 (Biomasse)
  • Bundesnetzagentur: Ausschreibungsergebnisse Biomasse, 2024–2025
  • Fachverband Biogas e.V.: Branchenzahlen und Handlungsempfehlungen 2025
  • FNR: Leitfaden Biogas — Von der Gewinnung zur Nutzung, 7. Auflage
  • DBFZ: Stromerzeugung aus Biomasse — Zwischenbericht, 2024
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